Weder vom Titel noch von den Bildern her wird offenbar, daß es sich bei „örtlich-amtlich oder an der Biegung des Flusses" um eine fotografische „Arbeit" am Bundeskanzleramt in Berlin handelt. Der Koloß an der Spree erfährt durch sie eine Verwandlung in eine Sphäre, die seine Betonmächtigkeit in lustwandlerische Tändeleien auflöst. Beton wird federleicht, der Fluß zu einer Geborgenheit, das Gebäude fachgerecht zerkleinert.

Eine völlig andere Arbeit ist dagegen „Rosen in Ravensbrück", Ursula Kelm hat das frühere Frauen-KZ, jetzt Gedenkstätte, an einem sonnigen Herbsttag mit ihrem Handy fotografiert. Die Körnigkeit der Bilder, ihre Auflösung, die eigenartige Farbgebung gehen einen eigenwilligen Diskurs mit dem Schrecken ein, der immer von diesem Ort ausgehen wird.
In beiden Fällen vermag Fotografie, vermag die Fotografin, einen besonders künstlerischen Ausdruck einer Wirklichkeit herzustellen, mit der jeder Betrachter seine eigenen Empfindungen verbindet, die sich in diesen Bildern „ausgedrückt" sehen werden,
Ursula Kelm, Berlinerin, 1942 geboren, lebt und arbeitet hier als freie Fotografin. Eine stattliche Zahl und Dauer an Auslandsreisen, oft auch mit fotografischen Lehraufträgen, Stipendien und Teilnahme an Symposien verbunden, haben ihren Horizont anregend ausgedehnt. Ausgebildet an der Werkstatt für Photographie Berlin-Kreuzberg, später auch als langjährige Dozentin dort tätig, sind ihre Arbeiten in vielen öffentlichen und privaten Sammlungen vertreten, die Zahl und Ortsvielfalt ihrer Ausstellungen ist ellenlang und spannt sich über die ganze Welt. Als Publikationen sei „Berliner Porträts" im Argon Verlag besonders hervorgehoben.

Dr. Johannes Pernkopf - GALERIE PERNKOPF
Mai 2005

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